Der wird nie PO, der bleibt bis zur Rente PM!

Tobias sagte zu mir gerade “…der wird nie PO, der bleibt bis zur Rente PM!” und ich teile seine Einschätzung. Aber warum ist das so? Warum fällt es so vielen Produktmanagern schwer, sich von dem alten Bild des Auftraggebers zu verabschieden? Wir reden heute so viel von Agilität und sich ständig ändernden Anforderungen. Ist es da nicht wichtig, an dieser zentralen Stelle einen Player zu haben, der den agilen Mindset teilt?

Wie kann es gelingen, an diesen Schlüsselstellen die richtigen Mitarbeiter einzusetzen, die sich einbringen und Kunden nicht von Entwicklern fernhalten. Wir erleben oft die gleichen Sichtweisen. Ein Entwickler kommt in die tolle Situation und spricht direkt mit einem Kunden. Dieser Eindruck ist i.d.R. sehr intensiv und so ist es nicht verwunderlich, dass der Mitarbeiter davon berichten möchte. Selbstverständlich wäre die Schlussfolgerung nicht richtig, nun zu wissen, was DIE Kunden wollen, wenn nur mit einem Kunden gesprochen wurde.

Dem gegenüber steht der Produktmanager, der über Jahre hinweg Kontakt zu den Märkten und vielen unterschiedlichen Kunden pflegt. Oft steht er selbst zwischen den Stühlen und muss sein Entwicklerteam vor den Erwartungen der Sales Organisation schützen und letzteren erklären, warum es aus technischen Gründen gerade dieses Feature mal wieder nicht in das kommende Release geschafft hat.

Wir erleben in verschiedenen Organisationen, dass der klassische (Auftraggeber) Product Manager auch zum Product Owner gemacht wird. Je nach Persönlichkeit kann das gut gehen, oder eben auch nicht. Der Spagat zwischen internem Abstimmen mit dem Team und der Außenwelt zerreißen den Owner-Manager und er kann beiden Rollen nur selten gerecht werden.

In der folgenden Grafik sind die beiden Rollen einmal gegenübergestellt.

Die Rolle des Product Owner schließt letztlich ein fehlendes Puzzle Teil zu erfolgreichen Teams. Entwickler sind Künstler die in allem was sie tun, einen Sinn sehen wollen. Umso wichtiger ist die regelmäßige Auseinandersetzung mit dem Kunden und dem Wofür. Oft gibt sich der PM als die Summe der Endkunden aus. Das kann gut gehen. Die Wahrscheinlichkeit das am Ende ein Produkt oder Service das Licht der Welt erblickt, der am Kunden bzw. Markt vorbei entwickelt wurde ist sehr hoch, wie uns die vielen gescheiterten Projekte zeigen. Wie schafft es der Product Owner motivierte Entwicklerteams mit Kunden zusammenzubringen? In erster Linie sollten sie sich nicht als Wissender in den Mittelpunkt stellen und zusammen mit dem Team die grundsätzlichen Anforderungen immer wieder hinterfragen. Er muss das Wissen an die verteilen, die all ihr Wissen in ein Produkt einfließen lassen. Das setzt ein spezielles Mindset und eine offene Kultur voraus. Eine weitere Rahmenbedingung ist, dass der Product Owner sich seiner Rolle und Aufgaben bewusst ist und die Vorteile agiler Entwicklung kennt. Wenn ich unseren PM sehe, denke ich oft an YAGNI “You Aren’t Gonna Need It” In dem Buch Extreme Programming von Ronald E. Jeffries von 2001, prägte er den Begriff YAGNI, was so viel wie „Du wirst es nicht brauchen“ bedeutet. Als PM und als PO solltest du auf dein Team hören und dieses einbeziehen. Die Probleme deiner Kunden und deren Lösung sollten im Mittelpunkt stehen, anstatt einen Feature Creep zu veranstalten, der sich als YAGNI herausstellt.
René Urban

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