Bist du stark genug für die Veränderung?

Es war letztes Jahr im August. Wieder einmal war eine große Reorganisation angekündigt und vielleicht kennt ihr das auch, es gibt einfach diese Menschen, denen macht das überhaupt nichts aus. Die machen einfach weiter ihren Job. Sie verbringen nicht die Hälfte ihrer Zeit in der Kaffeeküche und besprechen mit den Kollegen welche Auswirkungen jetzt auf sie zukommen werden. Es scheint, als machen sie sich gar keine Gedanken um die bevorstehende Veränderung. Woran liegt das? Was sind das für Menschen? Sie sind doch auch in dem Bereich beschäftigt, der neu organisiert werden soll. Auf der einen Seite bewundere ich sie. Ich würde das auch gern können. Auf der anderen Seite frage ich mich, was in ihnen vorgeht. Wir Menschen haben doch fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten) und diese lassen uns die Welt um uns herum wahrnehmen. Natürlich spielen Erfahrungen und Reize denen wir bereits ausgesetzt waren eine große Rolle. Dennoch unterliegen wir physio-physikalischen Gesetzmäßigkeiten, deren Bedeutung wir uns bewusst machen sollten, um unsere Mitmenschen besser verstehen zu können.

Der Deutsche Physiologe Ernst Heinrich Weber (1795–1878) untersuchte schon vor über 200 Jahren, wie Menschen Gewichte unterscheiden können und bei welchen Variationen sie noch Unterschiede feststellen können. Just noticeable differences habt Ihr vielleicht schon mal gehört. Er stellte fest, dass die Änderung eines Reizes DR, die gerade wahrnehmbar ist, ein konstantes Verhältnis des ursprünglichen Stimulus R ist. (Für extreme Situationen gilt das nicht.)

Elegant lässt sich das so beschreiben


 

Die Unterschiedsschwelle ΔR ist also proportional zur Reizintensität R. Sein Schüler Weber-Fechnersches Gesetz

Doch was hilft uns dieser kleine Ausflug in den Welt der Psychophysik um diesen Kollegen zu verstehen, dem so eine bevorstehende Reorganisation nichts ausmacht? In der folgenden Grafik ist ein Logarithmus abgebildet und dabei spielt die exakte Funktionsgleichung gar keine Rolle. 😉
Logaritmus - Änderung

Auf der X-Achse ist die Reizintensität R und auf der Y-Achse die Sinnesempfindung S abgebildet. Wie deutlich zu erkennen ist, steigt R, hier dargestellt durch die gleich langen Strecken (a,b,c,d,e), wohingegen die Sinnesempfindung immer kleiner wird bei konstanter Änderung von R.


Ich konnte die halbe Nacht nicht schlafen, weil mich der Kollege so beschäftigt hat. Am nächsten Morgen habe ich ihn auf einen Kaffee eingeladen und ihn gefragt, wie er das macht. Er verstand anfangs gar nicht was ich meinte. Doch dann erzählte er mir, dass er früher im Außendienst arbeitete und in dieser Zeit fast jedes Jahr einen neuen Chef hatte oder sich in einer neuen Organisationseinheit wiederfand. Anfangs hat ihn das auch schlaflose Nächte bereitet und er hat sich viele Sorgen gemacht, doch nach ein paar Jahren hatte sich das gelegt. “Ich mache meinen Job so gut ich kann.” Was für ein toller Typ dachte ich mir und bedankte mich für das tolle Gespräch.

Fazit: #changeisconstant #adaption #resilienz

René Urban

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